Die Familie Incisa della Rocchetta, die heute den Wein "Sassicaia" produziert, war von hoher Bedeutung während des Mittelalters und der Rainaissance im norden Italiens. Die "Marke" Incisa, welche ein großer Teil der Aleramischen Besitzungen waren (die Familie Incisa stammt von Aleramo ab, einem der größten Landbesitzer des Heiligen Römischen Reiches), erstreckten sich von der Poebende bis hin zum Meer. Die Feude mit einer Größe von 250 Quadratkilometer war reich an Wäldern und genoß eine kaiserliche Unabhängigkeit, die ihnen unter anderem das Recht gab ihre eingenen Münzen zu prägen.
Die Wirtschaft blühte mit Handel und Landwirtschaft auf. Incisa war besonders für seinen Weinanbau bekannt und bereits zu römischer Zeit bekann für die Fruchtbarkeit seiner Böden. Aber der kleine Staat war zwischen dem Kräftemessen anderer Feude um die Macht in Norditalien gefangen:
Als Marchese Mario Incisa della Rocchetta in den 20er Jahren Student in Pisa war, träumte er davon einen "noblen" Wein zu schaffen. Zu seiner Zeit galt der Bordeaux als guter Wein unter den Aristokraten. Nachdem er sich mit seiner Frau, Clarice, in ihren toskanischen Besitz an der Mittelmeerküste, der Tenuta San Guido, niedergelassen hat, begann er mit verschiedenen französischen Rebsorten zu experimentieren und kam zu der Feststellung: “Das Bouquet, welches ich suchte” wurde im Cabernet gefunden.
Ein Wein, welcher als Hauptrebsorte den Cabernet Sauvignon haben sollte, bedeutete eine radikale Veränderung zu den traditionellen Weinen der Toskana und des Piemonts, deren typischen Rebsorten Sangiovese und Nebbiolo waren. Niemand hatte je darüber nachgedacht eine Bordeaux Rebsorte in Italien anzupflanzen, noch unglaublicher war es, da die Gegend um Bolgheri nicht in der Weinkultur etabliert war. Gemeinsam jedoch mit dem "befriedigenden Buquet" des Cabernets wurde die Entscheidung des Marcheses diese Rebsorte auf der Tenuta San Guido anzubauen, durch die ähnlichen landschaftlichen Verhältnissen Bolgheris mit Graves in Bordeaux gestärkt. “Graves” bedeutet “Kies” auf französisch, und ähnlich gab der Boden der Tenuta San Guido seinen Namen dem Sassicaia, welches im toskanischen Dialiekt “steiniger Boden” bedeutet.
Jedoch, gewohnt an die leichten lokalen Weine, standen die Verbraucher den ersten Jahrgängen des Sassicaias nicht sehr positiv gegenüber. Weine, die von der complexeren Rebsorte Cabernet Sauvignon hergestellt werden, benötigen auch längere Zeit zur Reife. Somit wurde der Sassicaia von 1948 bis 1960 nur auf dem eigenen Besitz getrunken.
Jedes Jahr jedoch wurden ein paar Weinkisten im Keller von Castiglioncello aufgehoben. Der Marchese konnte mit Freuden feststellen, daß nach einigen Jahren der gelagerte Wein viel besser wurde. Oft geschieht es mit Weinen, die ein großes Pedigree haben, daß Dinge, die ursprünglich als Fehler angesehen werden, am Ende den guten Wein ausmachen. Freunde und Familie drängten ihn seiner Passion nachzufolgen um diese revolutionäre Art des Weinmachens zu perfektionieren.
1965 wurden zwei weitere Weinberge mit Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc angebaut; die neuen “Sassicaia” Weinberge lagen ca. 250m tiefer als die ursprünglichen Cabernet Weinberge bei Castiglioncello, und “Aianova” welches in der Mitte lag, war auch mehr dem Wetter ausgesetzt. Der gesamte Wein, der nun auf dem Besitz angebaut und produziert wurde, bekam den Namen Sassicaia.
Der Jahrgang 1968 des Sassicaia war der erste, der auf den Markt kam; er wurde sofort als Premier Crus vom Bordeaux angenommen. In den folgenden Jahren wurde der Weinkeller in einen temperatur-kontrollierbaren Ort verschoben, die Gärung sollte nicht mehr in Holz sondern Edelstahl sein und auch französische Eichenfässer wurden für das altern des Weines gekauft.
Die Idee des Marcheses Cabernet anzupflanzen und den Wein in Holzfässern altern zu lassen, sprach sich bald in Italien herum. Sassicaia war der erste italienische Wein, der erfolgreich international anerkannt wurde und wird fast überall als der "Vater" der neuen italienischen Weine angesehen - einfacher gesagt als der Super Tuscan Pioneer. Mario Incisa della Rocchetta’s Anbau wird heute als der Geburtsort des italienischen Cabernets gesehen.
Die neuen Weinberge und die verbesserte Vinifikation brachten fantastische Resultate und Experten aus der ganzen Welt notierten es.
Hier einige Bemerkungen: Bei einer Weinprobe des “Decanter Magazine” 1978 in London, wurde der 1972er Sassicaia von einer Gruppe, zu der Hugh Johnson, Serena Sutcliffe und Clive Coates gehörten, zum besten Cabernet Sauvignon aus einem Feld von 33 Weinen aus 11 Ländern gekührt. Hugh Johnson’s Pocket Wine Book, 1982 Edition, nannte den Sassicaia "Italy's best wine". Der 1982er Sassicaia bekam 1987 den Vinarius Wine of the Year Preis.
Geschichte: Der Marchese Mario Incisa della Rocchetta starb im Jahre 1983. Sein Sohn, Marchese Nicolò Incisa della Rocchetta, kümmert sich heute um den Familienbesitz.
Vinifikation: Eine Auswahl der Beeren von der Rebe direkt während der Ernte ist selten von Nöten. Das System des Anbaues und eine sehr geringe Anzahl an Trauben pro Pflanze garantieren ein gesundes Produkt, reich an Zucker, Taninen, Extrakten usw. Die Vinifikation findet in Edelstahl statt (35-110 hl) mit thermalen Einwirkungen wärend der Gärung. Die Makeration beträgt ca. 14 Tage. Der Sassicaia altert zu 33% in neuen 225lt. französischen Eichenfässern für 24 Monate, der Guidalberto und Le Difese für 12 Monaten.
Historie: Die Festung Incisa wurde angegriffen und 1514 von den Truppen des Markgrafen Monferrato und den Söldnern des mailänder Kardinales Matthias Schinner erobert. Nur ein Ast der Familie überlebte, welcher sich bereits im 13. Jahrhundert, im Gegensatz zu seinen kriegerrichen Verwandten, entschlossen hatte in Frieden in Rocchetta zu leben um sich der Wissenschaft, der Rechtslehre und dem Weinbau zu widmen.
Ein Mann dieser Familie ragt besonders hervor: Leopoldo Incisa. Als hoher Beamter des Kaiserreiches Österreich-Ungarn, zieht er sich 1840 noch in jungen Jahren wegen einer starken Krankheit aus seiner Karriere zurück und kehrt in das Zuhause seiner Vorfahren, Rocchetta Tanaro, zurück. Auf dem Familienbesitz kann er seine Liebe für moderne Landwirtschaft und sein önologisches Wissen vollkommen aufleben lassen. Ein paar Jahre später bringt er unter anderem zwei Aufsätze über die wichtigen Weinreben Italiens sowie auch dem Rest der Welt heraus, welche er in der Zwischenzeit in Rocchetta gesammelt hatte.
Heutzutage sind diese Schriften eine bibliographische Seltenheit und ein wichtiger Anhaltspunkt für jeden, der sich mit Weinbau ausseinandersetzt. Fast ein Jahrhundert später war Mario Incisa della Rocchetta ein junger Landwirtschafts-Student an der Universität von Pisa. Angeregt durch die Aufsätze seines Großvaters baute er in Rocchetta Cabernet-Reben an - später auch in Bolgheri.
Neben seinen Eltern prägten zwei weitere Menschen den jungen Studenten: Zum einem Clarice della Gheradesca, die am 18. Oktober 1930 zu seiner Frau wurde und ihn nach Bolgheri brachte. Sie stammte von einer Patrizier-Familie, die seit Jahrhunderten über die Maremma regiert hatte.
Zum anderen Federico Tesio, ein berühmter Pferdetrainer, dessen Frau, Donna Lydia Flori di Serramezzana, die zwei jungen Eheleute, Mario and Clarice, zusammengebracht hatte. Nach der Hochzeit gründete das junge Paar mit Federico Tesio das Gestüt Dormello-Olgiata, benannt nach den dem Besitz Tesios am Ufer des Lago Maggiore in Norditalien (Dormello) und dem Besitz, den Mario Incisa von seiner Mutter, der Fürstin Eleonora Chigi, in der nähe von Rom geerbt hatte (Olgiata).
Am Ende des zweiten Weltkrieges zogen Mario und Clarice von Olgiata nach Bolgheri. Dort vergrößerte er den Training-Grund der Pferde seines Schwiegervaters und in wenigen Jahren verwandelte er den großen aber sehr ruhigen Besitz - welcher sich von der thyrrhenischen Küste bis hinter die 396m hohe Festung Castiglioncello streckt - in einen Besitz, welcher die besten Rennpferde des Landes beherbergen sollte. Mario Incisa gründete 1959 Italiens erstes privates Vogelreservior, die "Oasi di Bolgheri", welches 1967 Italiens erstes WWF Vogelreservoir wurde.
Direkt unter der Festung Castiglioncello, fand er das perfekte "Terroir", um seinen Cabernet anzubauen. Dies war der Anfang des Sassicaia - der erste und bisher einzige Wein Italiens, der mit einem eigenen DOC ausgezeichnet wurde, ein DOC der seinen Namen trägt, der "DOC Bolgheri Sassicaia".






















