'Erziehung zum guten Geschmack' Dem Pädagogen und Weinbauer Werner Näkel ist es zu verdanken, dass Rotweine von der Ahr nicht nur in Deutschland immer beliebter werden Aus "easy living" 11/2002 Was sich liebt, das neckt sich. Wie Werner Näkel und seine Frau Claudia, Lehrerin von Beruf. Er ärgert sie gern, indem er über Lehrer lästert - bei Weinproben würden diese zuerst über die hohen Preise meckern, und nach einer halben Stunde würden sie ihm erklären, wie man guten Wein macht. Die Gattin nimmt ihm den Spott nicht übel, denn Werner Näkel war selbst im Schuldienst, bevor er sich entschloss, "Reben zu erziehen statt anderer Leute Kinder". Das war im Jahr 1982, als der Sport- und Mathematiklehrer als Ältester von vier Geschwistern den elterlichen Weinbaubetrieb in der Ahrtal-Gemeinde Dernau übernahm. Der Wendepunkt in seinem Leben sollte zugleich ein historisches Datum für das kleine deutsche Weinanbaugebiet zwischen Eifel und Rheinischem Schiefergebirge werden: Die Ahr-Rotweine entsprachen damals der deutschen Vorliebe für Liebliches und Südliches. Für die vielen Ausflügler, die das schöne Flusstal mit seinen steilen Weinbergen und malerischen Terrassen besuchten, waren die farb- und gerbstoffarmen Tropfen eine willkommene Erfrischung - für Werner Näkel waren sie "nicht zu trinken". Der damals 29-Jährige griff auf die alten Methoden seines Großvaters zurück. Er ließ die Trauben länger auf der
Maische, holte die
Farbe und Kraft heraus, die ihnen der warme steile Schieferboden und das einzigartige Klima des Ahrtals verleihen und begann mit
Barriques, kleine Eichenfässer für große Qualitäten, " zu experimentieren. Andere junge Winzer folgten ihm, und als Näkel mit seinen 1987er Burgundern den Deutschen Rotweinpreis des Jahres 1989 gewann, brach an der Ahr nicht nur das
Barrique-Fieber aus, sondern auch ein freudiges Interesse am guten Weinmachen. Dem ersten Deutschen Rotweinpreis folgten noch sechs weitere. Und Titel wie "Kammerwein des Jahres" der Industrie- und Handelskammer Koblenz kann Näkel seither Jahr für Jahr auf das Rückenetikett seiner Früh- und
Spätburgunder schreiben. Die "New York Times" nannte Meyer-Näke! das deutsche "Topweingut für Rotwein". "Der Feinschmecker" gibt ihm seit 1996 die Höchstbewertung. Neben der Arbeit an der Ahr zog es Näkel verstärkt in südliche Weinregionen. Auf Gran Canaria berät er Prominente wie den Komponisten Justus Frantz auf ihren Weingütern. Vor sechs Jahren gründete er mit Neil Ellis, südafrikanischer "Winemaker" des Jahres, das Weingut Zwalu (deutsch: Neubeginn) bei Kapstadt. Die Weine, Cuvees aus
Cabernet Sauvignon und
Merlot, sind ausverkauft, bevor sie in Dernau ankommen. Einen Neubeginn anderer Art erlebte Werner Näkel indessen vor zwei Jahren. Da verliefen den früheren Zehnkämpfer erstmals die natürlichen Kräfte. Der Infarkt verlief glimpflich, und er verlor weder seine Lust am Rotweinmachen noch seinen Humor. Den Risikofaktor Übergewicht bekämpfte er mit einem Neubeginn: Er fuhr Rad und strampelte binnen Jahresfrist 10 000 Kilometer und 20 Kilogramm herunter. Und es kamen neue Kräfte zu Hilfe: Die Töchter Meike und Dörte gingen statt an die Universität in eine Küferlehre. Meike studiert inzwischen Weinbau in Geisenheim und soll in drei, vier Jahren den Südafrika-süchtigen Papa in Dernau vertreten. Denn so wenig wie aus seinen Weinen macht Werner Näkel, der im nächsten Jahr seinen 50. Geburtstag feiert, aus seinen Plänen ein Geheimnis: Da man mit zunehmendem Alter immer weniger frieren möchte, wolle zumindest er die kalten deutschen Wintermonate auf Zwalu aussitzen. Auf dem Fahrradsattel, versteht sich. Und Gattin Claudia? Sie bleibt an der Ahr und hütet das Hausgeheimnis: Nämlich, womit sie ihren Gatten neckt. Die Deutschen kommen ... So lernten die deutschen Rotweinpioniere schnell und schmerzlich, dass ein schwacher Wein auch im kleinen Holzfass nicht auf wundersame Weise besser wird. Selbst in Zeiten des forcierten
Barrique-Ausbaus bleibt die alte Winzerweisheit bestehen: Qualität entsteht im Weinberg und nicht im Keller. Diese Erkenntnis bestimmt seither die Praxis auf den Spitzenweingütern. Für den
Ausbau in der
Barrique werden die Trauben aus den besten Weinbergslagen ausgewählt, die Erträge strikt begrenzt und Weine verwendet, die mindestens die Qualität einer
Spätlese haben. Bei der Rotweinbereitung hat sich inzwischen auch die klassische Maischegärung nach Burgunder-Vorbild durchgesetzt, und für die
Barrique-Reife werden die Weine fein abgestimmt in neue und in mehrfach gebrauchte Fässer, häufig sogar aus unterschiedlichen Eichenhölzern, gelegt. Über Absatzschwierigkeiten bei ihren Rotweinen müssen deutsche Winzer übrigens nicht klagen. Selbst die geringste Qualität findet - anders als bei den Weißweinen - ihre Käufer. Kein Wunder also, dass die deutschen Spitzenrotweine wegen ihrer immer noch kleinen Menge schnell ausverkauft sind - trotz des hohen Preises, der nicht selten bei mehr als 30 Euro pro Flasche liegt. Die Stars der Szene, wie Werner Näkel an der Ahr, haben ein fein abgestimmtes Verteilungssystem entwickelt, um möglichst viele Interessenten zufrieden zu stellen. In Näkels Weingut in Dernau können Weinfreunde die stets hervorragenden
Spätburgunder zwar probieren, aber zu verkaufen hat Werner Näkel schon kurz nach der Ernte fast nichts mehr. Wer die roten Jahrgangsspitzen mit nach Hause tragen will, muss sich das Kontingent reservieren lassen, lange bevor die Flaschen abgefüllt werden. Die neunziger Jahre bescherten den deutschen Rotweinwinzern glücklicherweise gleich vier herausragende Jahrgänge: 1990, 1993, 1997 und 1999 - und auch die roten 2000er sind trotz der schwierigen Bedingungen teilweise exzellent geraten. Werner Näkel konnte 1999 von seiner neuen Spitzenlage Walporzheimer Kräuterberg an der Ahr eine fulminante
Spätburgunder-Auslese
trocken einbringen: einen Wein von schmelziger Fülle, opulent und doch elegant. Er übertrifft sogar die schon exzellenten Auslesen (Frühburgunder und
Spätburgunder) von Näkels Traditionsspitzenlage, dem Dernauer Pfarrwingert. Auch die 2000er Kollektion hält das Niveau des Ausnahmeweinguts. Dieter Braatz in MPC Life 3/02 Hans-Artur Bauckhage, Minister für Wirtschaft, Verkehr. Landwirtschaft und Weinau in Rheinland-Pfalz, auf die Frage der "Weinwirtschaft" nach seinem Lieblingswein: >Im Winter Felix von Keller oder Meyer-Näkel "S", im Sommer
Riesling von Maximin Grünhäuser< Der Schauspieler Mario Adorf bei einer Rotweinprobe zum 2000er Meyer-Näkel "S": Nun der 2000er von der Ahr: "Oha!" Die Miene des Weingenießers, den man nach eigenem Bekenntnis früher zu deutschen Rotweinen hätte zwingen müssen, wird andächtig. "Nicht aus Lokalpatriotismus, weil die Ahr nahe bei meiner Eifeler Heimat fließt: Aber der ist der Beste." Und der Note "sehr gut" lässt der prominenteste Kritiker deutschen Rotweins an diesem denkwürdigen Nachmittag sein größtes Kompliment folgen: Er schenkt sich nach. Aus "easy living" 4/2002 >Dieses Jahr könnte das Jahr des Spätburgunders werden... Die Preisspitze liegt jedoch weit höher; der kräftige, süßliche 2000er "Walporzheimer Kräuterberg" von Meyer-Näkel aus Dernau/Ahr hat bei einer Versteigerung 86 Euro je Flasche erzielt.< Stuart Pigott in der Frankfuter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 26. Januar 2003
Nachdem Werner Näkel schon 2004 vom
Gault Millau zum "Winzer des Jahres" gekürt worden war, erhielt vom "Decanter" einer seiner
Spätburgunder für 2009 die hohe Ehrung als "Bester
Pinot Noir der Welt" !!!