Nur wer alle technischen Tricks und Kniffe in seinem Fachgebiet kennt, kann sie bewusst weglassen. So wie der Winzer Martin Tesch. Er hat sich auf das Wesentliche konzentriert und produziert seinen Wein heute wieder so, wie es schon sein Großvater gemacht hat.
Martin Tesch übernahm mit 29 Jahren im Jahre 1997 die Geschäfte von seinem Vater und legte kurzerhand 14 von 30 Hektar Rebfläche brach. Er bewirtschaftete nur noch seine besten Lagen, auf denen er fast ausschliesslich Rieslingtrauben anbaute. Das Unternehmen sollte künftig weniger, dafür aber hochwertigen und teureren Wein verkaufen. Den Riesling betrachtet er als seine Kernkompetenz und baut ihn auf verschiedenen Böden an:
Königsschild - Lösslehm, durchsetzt mit Muschelkalk
Löhrer Berg - fruchtbare Tonböden mit Flusskies
Krone - Mischboden aus Lösslehm und roter Sandsteinverwitterung
Karthäuser - rote Sandsteinverwitterung
St. Remigiusberg - vulkanischer Boden
Mit dieser Philosophie und einer gehörigen Portion verkäuferischen Geschicks bringt er jährlich 150.000 Flaschen Riesling von nunmehr 20 ha Rebfläche auf fünf Kontinenten unter. Selbst in den Regalen des noblen Berliner KaDeWe ist sein Wein zu finden.
Inzwischen experimentiert er wieder. Seit einiger Zeit verarbeitet Tesch Weißweintrauben wie die blauen Trauben für Rotwein. Das ergibt ein volleres Aroma, das durch ungewohnte Gerbstoffe geprägt ist und deshalb an Rotwein erinnert.
Bei Tesch in Langenlonsheim ist alles anders. In Kundenbriefen wird schon mal ein Riesling interviewt oder der Rosé gerettet. Ein so konsequent durchgezogenes Lagendenken wie bei Martin Tesch findet sich selten in Deutschland. Fünf trockene Riesling Spätlesen bilden den Kern des Sortiments, die Trauben werden zum gleichen Zeitpunkt geerntet, die Weine gleich vinifiziert. Rund 20 Jahre hielten Weingut und Weinberge Dornröschenschlaf. Auch deshalb sind die Rebanlagen heute im Durchschnitt rund 30 Jahre alt. Statt Kork schützt ein neuartiger Drehverschluss mit innen liegendem Gewinde die Weine. Nachdem die 2006er jahrgangsbedingt untypisch weich ausfallen, sind die 2007er wieder gewohnt straff und stahlig ausgefallen. Allerdings fehlt es uns etwas an Dichte und Aufspiel, weswegen Martin Tesch eine Traube verliert. Eine feste Bank in Sachen trockener Nahe-Wein bleibt das Gut jedoch weiterhin – und das zu äußerst fair kalkulierten Preisen.
Quelle: Gault Millau



















