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Wein aus Burgund
Das Weinbaugebiet Burgund ist eines der berühmtesten und ältesten französischen Weinanbaugebiete. Burgund ist ein Mythos unter Weinkennern - nicht wenige schwören darauf, dass ein großer Pinot Noir vom Côte des Nuits von keinem anderen Rotwein der Welt an Komplexität, Fülle und Ausdruck übertroffen werden kann. Für die Weißweine der Region gilt genau dasselbe. weiterlesen...
Geographie und Klima in Burgund
Die Rebflächen von Burgund liegen südöstlich von Paris und bilden zwischen Dijon und Lyon ein etwa 300 Kilometer langes Band, das sich in Nord-Südrichtung ausdehnt. Dort finden die Reben auf den früh besonnten Südosthängen ideale Wachstumsbedingungen. Auf etwa 24.000 Hektar Rebfläche werden jährlich ca. 180 Millionen Flaschen Wein produziert.Das Klima im Weinbaugebiet Burgund ist weder besonders warm noch besonders trocken. Der Winter ist kalt und kann - vor allem im Chablis - bis in den späten Frühling hinein mit Spätfrösten wiederkehren. Der Sommer in Burgund ist kontinental warm, aber weitaus unbeständiger als in den südlicheren Weinbauzonen. Zur Zeit der Blüte und Lese bedrohen vor allem Niederschläge den Weinbau in Burgund. Somit kommt der risikobereiten Ertragsdisziplin des Winzers durch kurzen Anschnitt höchste Bedeutung zu. Die Jahrgangsschwankungen sind dementsprechend in Burgund unvermeidlich größer als in wärmeren Weinbaugebieten. Andererseits kann gerade der Pinot Noir im Klima von Burgund eine Mischung aus Feinheit und Wucht, aus Eleganz und Kraft erlangen, welche weltweit ohne Vergleich ist.
Unterregionen im Burgund
Die Weinbauregion Burgund besteht aus fünf bedeutenden Erzeugerregionen, die sich von Nord nach Süd aufreihen: Im Norden liegt das Chablis, darauf folgt die Côte d'Or mit ihren Bereichen Côte de Nuits und Côte de Beaune, die Côte Chalonnaise, Mâconnais und den südlichen Abschluss bildet das Beaujolais, welches offiziell zwar zu Burgund gehört, aufgrund größerer Unterschiede dennoch einen gewissen Sonderstatus besitzt und auch als eigene Weinbauregion anerkannt ist.In den meisten Weinbaugebieten ist es so, dass eine Lage einen Besitzer hat und einen Wein erzeugt. Im Burgund stellt sich die Vorgehensweise etwas anders dar. Hier gehören viele Rebgärten mehreren Erzeugern, manchmal sogar Dutzenden, welche ihre Parzellen nach eigenem Gutdünken bewirtschaften und eventuell selbst den Wein nach ihrer eigenen Methode keltern und ausbauen. Aus diesem Grund stammen von jeder Lage unterschiedliche Weine von verschiedenster Qualität, die aber trotzdem alle den gleichen Namen tragen. Dies erschwert dem Konsumenten die Auswahl außerordentlich, da selbst bei einer exzellenten Lage je nach Arbeit im Weinberg und Keller, das Niveau der Weine enorm schwanken kann. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Lage und die Region in Burgund nicht von so großer Bedeutung ist, wie man dies vielleicht aus Deutschland gewöhnt ist.
Rebsorten und Weine in Burgund
Burgund hat sich besonders mit sortenreinen Weinen einen großen Namen gemacht, während beispielsweise Bordeaux einen ganz anderen Weg ging und quasi nur Cuvées produziert. Das Weinverständnis in Burgund strebt nach höchster Komplexität indem man sich hier auf möglichst wenige Rebsorten beschränkt und deren Potenzial zur Gänze ausreitzt. So werden quasi alle roten Burgunder ausschließlich aus Pinot Noir erzeugt, wohingegen alle Weißweine ausschließlich aus Chardonnay und zu einem kleinen Teil aus Aligoté erzeugt werden.Der Pinot Noir hat einen Anteil von ca. 36 % am Rebsortenbestand in und ist der Hauptgrund für den großen Namen der Region. Gleichzeitig ist er eine Herausforderung, denn die Sorte ist im Anbau und in der Verarbeitung schwierig und erfordert viel Fingerspitzengefühl. Die Reben treiben zeitig im Frühjahr aus, was sie anfällig für Spätfrost in Burgund macht. Um homogen auszureifen und intensive Aromen zu bilden, benötigt Pinot Noir eine lange, ausgeglichene Vegetationsperiode, in welcher Hitze ihr ebenso sehr schadet wie übermäßige Feuchtigkeit. Der Pinot Noir erfordert im Weinberg höchste Sorgfalt und muss mit allerlei Tricks zu immer höherer Qualität gezwungen werden. Mit hoher Pflanzdichte beispielsweise versuchen viele Winzer in Burgund die Wüchsigkeit und Ertragsfreude des einzelnen Rebstocks zu begrenzen. Die Konkurrenz um die Nährstoffe zwingt die Reben zudem noch tiefer zu wurzeln und sich so näher an das Ursprungsgestein heranzuarbeiten. Alte Reben versprechen in besonderem Ausmaß hohe Weinqualität, weil sie einerseits tief und verzweigt wurzeln und andererseits von sich aus weniger ertragreich sind. Guter Pinot Noir erzeugt schöne schwarzviolette Trauben, deren Beeren einen gehaltvollen hellen Saft enthalten.
Der Chardonnay in Burgund hat einen Anteil von 46 Prozent am Sortenbestand und ist seit sehr langer Zeit Bestandteil des Rebsortenspiegels im Weinbaugebiet Burgund. Gegenüber dem Pinot Noir ist der Chardonnay sehr pflegeleicht. So ist er weniger anfällig gegen Virus- und Pilzerkrankungen, allerdings durch seinen frühen Austrieb ebenso durch Spätfrost gefährdet. Er toleriert höhere Erträge, ohne qualitativ völlig einzubrechen, reift homogen aus und liefert konstant hohe Mostgewichte. Traditionelle Weintypen sind in Burgund goldfarben, würzig und von ausladender Breite.
Die ertragreiche Sorte Aligoté, welche sechs Prozent des Sortenbestandes in Burgund ausmacht, ist eine mittelfeine Rebsorte. Aligoté neigt zu herber Säure, entwickelt aber in guten Lagen und bei langen Vegetationsperioden eine große Fülle und eine bemerkenswerte Würze. Einfachere und eher magere Aligoté-Weine werden gern zur Produktion von Crémant und für den typischen Kir, einen Aperitif mit Johannisbeerlikör, herangezogen.
In Chablis, dem nördlichsten Teilgebiet von Burgund, wird einer bekanntesten Weißweine überhaupt geboren: der Chablis. Dies hängt mit dem besonderen Untergrund im nördlichen Burgund zusammen, einer mächtigen Kalkschicht, welche vor unzähligen Jahrmillionen aus den unzähligen Skeletten meist kleiner Schalentiere entstand. Typisch für einen Chablis ist der grüne Reflex im Glas und der mineralische Geschmack am Gaumen, welcher zugleich eine saftige Frucht und mundwässernde Säure besitzt. Heute ist der Wein weniger kreidig-kühl als früher, doch eine gewisse Verhaltenheit ist vorhanden, da ein Chablis praktisch nie überschwänglich schmeckt.
Das Côte d'Or, ein weiteres Teilgebiet des Burgund, ist in zwei Teile gegliedert, die nördliche Côte de Nuits und die südliche Côte de Beaune. Die Rotweine aus Côte de Nuits sind im Allgemeinen etwas kräftiger und substanzieller als jene aus der Côte de Beaune. Sehr gute Rotweine aus der Weinbauregion zeichnen sich durch eine Vollmundigkeit, viel Extrakt und Körper sowie höchste Eleganz aus. Große Namen sind hier Chambertin, Musigny und Clos de Vougeot. Im Süden sind die Böden sehr unterschiedlich und in diesem Teil werden aus Chardonnay die großen Weißweine erzeugt. Diese sind kräftig, nachhaltig und trocken, wie zum Beispiel der Montrachet, Meursault und Corton Charlemagne.
Die Côte Chalonnais steht etwas im Schatten der großen Namen im Weinbaugebiet von Burgund. Hier werden alle vier Rebsorten angebaut, es gibt sowohl Weiß- wie auch Rotweine. Der Chardonnay ist frisch mit Nussaromen, der Aligoté weich und blumig.
In der vierten Zone in der Weinbauregion Burgund, im Mâconnais, sind die Weißweine fruchtig und bukettreich. Der Pouilly-Fuissé ist der bekannteste von ihnen. Dieser Wein ist ein feiner, reicher und trockener Wein, nicht zu verwechseln mit dem bekannteren Sauvignon-Blanc Pouilly Fumé von der östlichen Loire.
Geschichte des Burgund
Die Geschichte der Weinbauregion Burgund reicht bis ins zweite Jahrhundert nach Christus zurück, als die Römer noch Weinbau in diesem Teil Europas betrieben. Möglicherweise haben aber die Kelten schon vorher Weinbau in Burgund betrieben. Richtigen Auftrieb bekam die Burgunder Weingeschichte durch klösterliche Schenkungen im Mittelalter, wodurch der Klerus in den folgenden Jahrhunderten nicht nur immer mächtiger, sondern auch im Bereich Wein maßgebend für die Weinbaugeschichte in Burgund wurde. Durch den 1098 in Citeaux nahe Nuits-St-Georges gegründeten Zisterzienserorden wurde die klösterliche Weinbaukultur systematisch gefördert. In der weiteren Geschichte von Burgund gab es zwei Ereignisse, welche bis in unsere Zeit nachwirken: Im Jahr 1395 erließ Philipp der Kühne, dass die Sorte Gamay aus Burgund verdrängt werden solle, womit der qualitativen Vorherrschaft des Pinot Noir der Weg geebnet war. 1443 schließlich stiftete der Kanzler Philipps des Guten, Nicolas Rolin, die Hospices de Beaune, deren jährliche Versteigerung noch heute als wichtigster Gradmesser der Weinkonjunktur in Burgund gilt.Nach der Französischen Revolution strukturierte das napoleonische Erbrecht Anfang des 19. Jahrhunderts die bis zum heutigen Tag geltenden Sozial- und Besitzverhältnisse von Burgund. Grundbesitz vererbt sich seither anteilig an alle Kinder eines Elternpaares, sodass auf die einzelnen Besitzer tendenziell immer kleinere Parzellen entfallen.
1851 fuhr erstmals die Eisenbahn von Dijon nach Paris, womit mit dem näher gerückten Absatzmarkt die Nachfrage von Weinen aus Burgund stark anstieg.
All diese Ereignisse, welche teilweise weit in der Vergangenheit liegen, beeinflussten das Weinbaugebiet Burgund maßgeblich und haben aus ihm das gemacht, was es heute ist: eine der berühmtesten Weinbauregionen der Welt.
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